
Meilensteine
der Medizin
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"Die Medizin ist die vornehmste aller Wissenschaften!"
Hippokrates von Kos (um 460 bis 370 v. Chr.) |
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Vor mehr als 50000 Jahren: Die früheste Operation in der Geschichte der Menschheit wurde vielleicht schon zur Zeit der so genannten späten Neandertaler vor mehr als 50000 Jahren vorgenommen. Dabei handelt es sich möglicherweise um die Amputation eines Armes an einem Neandertaler, dessen Skelettreste in Shanidar (Irak) entdeckt wurden.
Um 5500-4900 v. Chr.: Die Bauern der Linienbandkeramischen Kultur, deren Name auf der bänderartigen Verzierung ihrer Tongefäße beruht, nehmen Schädeloperationen (Trepanationen) vor. Einer der frühesten misslungenen Eingriffe ist aus dem Gräberfeld von Höhnheim - Suffelsweyersheim im Elsass (Frankreich) bekannt.
» Die früheste Einrichtung und Ruhigstellung eines gebrochenen Armes kennt man aus der Zeit der erwähnten Linienbandkeramischen Kultur. Sie erfolgte bei einem Mann aus dem Gräberfeld vom Viesenhäuser Hof bei Stuttgart-Mühlhausen, dessen linker Unterarm gebrochen war und dank medizinischer Fürsorge gut verheilt ist.
» 5500 bis 2000 v. Chr.: Die meisten gelungenen Schädeloperationen der Jungsteinzeit in Mitteleuropa erfolgten zur Zeit der Trichterbecher-Kultur (vor etwa 4300 bis 3000 v. Chr.), der Walternienburg - Bernburger Kultur (vor etwa 3200 bis 2800 v. Chr.) und der Schnurkeramischen Kultur (vor etwa 2800 bis 2400 v. Chr.). Die von Medizinmännern der Walternienburg - Bernburger Kultur vorgenommenen Schädeloperationen sind nach den Funden mit verheilten Wundrändern zu schließen etwa zu 90 Prozent gelungen.
4300-3000 v. Chr.: Als die ältesten Medizinfläschchen gelten die aus Ton modellierten Kragenflaschen der Trichterbecher-Kultur in Norddeutschland. Ein solches kleines kugeliges Gefäß mit engem Hals aus Gellenerdeich bei Oldenburg (Niedersachsen) hatte Schwefel enthalten, der im Altertum als Medizin gegen mancherlei Krankheiten diente.
2900 v. Chr. das erste erhaltene Dokument zur Oberflächentherapie von Brandwunden stammt aus dem Jahr 2900 v. Chr. und empfiehlt das Auftragen tierischer Fette. 1300 Jahre später wird ein (Papyrus Ebers .
Um 2100-2000 v. Chr.: Die ersten Rezepte werden in sumerische Tontäfelchen eingeritzt.
1600 v. Chr. fand man im Papyrus Ebers ("Smith Papyrus"), einer ägyptischen Schrift, erste Behandlungsformen von Brandwunden, es wurde ein Rezept aus schwarzem Schlamm und gekochtem Kuhdung sowie tierische Fette in Form eines Verbandes zur Oberflächentherapie empfohlen.
800 v. Chr. erwähnt der indische Chirurg Sushruta erstmalig das Entfernen der verbrannten Haut. Ebenfalls aus Indien stammen die ayurvedischen Schriften aus dem Jahr 600 v. Chr., in denen die Einteilung in vier verschiedene Verbrennungsgrade festgehalten wurde.
» führt der indische Chirurg Sushruta die erste erfolgreich Rekonstruktion einer Nase durch.
Nach 330 v. Chr.: Griechische Ärzte verfassen den hippokratischen Eid als ethischen Codex.
Zwischen 8. und 4. Jahrhundert v. Chr.: Die Etrusker in Italien befestigen künstliche Goldzähne an den benachbarten stabilen Zähnen. Das beweisen Funde aus Gräbern jener Zeit.
Nach 800 v. Chr.: Der älteste Fund eines Verbandes stammt aus der älteren Vorrömischen Eisenzeit, die in Mitteleuropa nach einem österreichischen Fundort als Hallstatt-Zeit bezeichnet wird. Mit diesem Verband war der nach einer Verletzung vereiterte Arm eines Menschen umhüllt gewesen, dessen Skelettreste in der Schachthöhle bei Rückersdorf unweit von Nürnberg (Bayern) geborgen wurden.
129 n. Chr.: Claudius Galenos von Pergamon wird geboren, mit 17 Jahren begann Galen sein Studium, das ihn nach einem vierjährigen Aufenthalt in Pergamon auch nach Smyrna, Korinth und Alexandria führte. Galen praktizierte als Gladiatorenarzt. Sektionen führte er insbesondere an Hunden, Affen, Schafen und Schweinen durch. Obwohl Sektionen an menschlichen Leichen verboten waren, konnte Galen bei den grausamen, blutigen Gladiatorenkämpfen auf recht grobe Art menschliche Anatomie kennen lernen. Galen wurde Leibarzt des Kaisers Marcus Aurelius Antonius und später Leibarzt des Kaisersohnes Commodus. Galen hat nahezu 400 Werke veröffentlicht, seine wichtigsten Arbeiten waren: „Die anatomischen Untersuchungen", „Über den Nutzen der Körperteile", „Die Lehrmeinungen von Hippokrates und Platon", „Die Methode der Therapie", „Die kranken Körperteile" und „Die ärztliche Kunst". Galen hatte in diesen Werken das gesamte antike medizinische Wissen zusammengestellt. Galen entwickelte für das medizinische Gesamtsystem drei Prinzipien: die Notwendigkeit einer umfassenden theoretischen Grundlage in der Physiologie und Anatomie, das Wirken der Säfte und des Pneumas und schließlich die Verbindung der Medizin mit der Philosophie von Aristoteles und Platon. So blieb er für über eintausend Jahre der „letzte große Arzt", als den er sich selber bezeichnet hatte.
1000 erst mit Ende des ersten Jahrtausends unserer heutigen Zeit wird die "Kühlung" von Brandwunden als "sehr vorteilhaft" beschrieben.
1300 n. Chr.: In Italien werden die ersten Augengläser zum Lesen verwendet.
1316: Das erste Lehrbuch der Anatomie erscheint. Verfasser ist der Mediziner Mondino dei Liucci aus Bologna, der zuvor zwei weibliche Leichen seziert hat.
1345: Die erste Apotheke, in der Arznei verkauft wird, wird in London eröffnet.
1450: Johannes da Vigo unterscheidet in Verbrennung und Verbrühung.
1456: In Mainz wird mit den Typen der 36-zeiligen Gutenberg-Bibel das erste medizinische Werk gedruckt. Es handelt sich um einen Aderlass- und Laxierkalender.
1538: Andreas Vesalius brachte für seine Studenten die sechs Tabulae anatomicae heraus, diese atmen noch ganz den Geist galenischer Anatomie (siehe oben) - so ist zum Beispiel die Leber fünflappig dargestellt, das Herz hat keine Vorhöfe, das Brustbein ist in sieben einzelnen Knochen geteilt. Um diese Zeit wurde es ihm immer klarer, dass die Anatomie Galens nicht menschliche sondern Affen-, Hund- und Schweineanatomie war, die auf Menschen übertragen wurden. Vesal beschloss ein Lehrbuch der menschlichen Anatomie zu schreiben, das nur auf eigene Anschauungen und nicht auf Überlieferungen der Alten gegründet ist. Dieser Anspruch gilt freilich nur auf die anatomisch-morphologische Betrachtung, die physiologisch-dynamische Anschauung basiert weiter auf Galen. Vesalius´Devise für seine Studenten war: "Tastet und fühlet mit eigenen Händen!"
1543: entstand das gewaltige Werk: de humani corporis fabrica libri septem von Andreas Vesalius (im selben Jahr, in dem auch die Revolutiones orbium coelestium des Nicolaus Copernicus erschienen).
1552: Ambroise Paré gilt in seinem Heimatland als "Vater der französischen Chirurgie" und darüber hinaus als "Erneuerer" und "Pionier der Chirurgie". Er erregte gewaltiges Aufsehen, als er nach Amputationen die Arterie unterband (Ligatur) und damit die alleinige Anwendung des Glüheisens bei der Blutstillung ablöste. Paré erfindet eine eigene Naht für jede Operation und jede Wunde.
1553: Der Arzt und Theologe Michael Servet entdeckte, dass es nicht nur einen großen Kreislauf des Blutes zu den Extremitäten des Körpers gibt, sondern auch einen kleinen Kreislauf vom Herz zur Lunge. Seine freier Geist brachte Servet jedoch auf den Scheiterhaufen, wo er qualvoll verbrannte. Der Universalgelehrte hatte sich im selben Buch, in dem er den kleinen Blutkreislauf beschrieb, gegen die Dreifaltigkeitslehre Gottes ausgesprochen. Der Reformator Calvin ließ ihn in Genf in Ketten legen und verbrennen.
1570: Ferrara entdeckt die Kontraktur.
1575: Neben zahlreichen Neuerungen in der Chirurgie, insbesondere der Kriegschirurgie, beschrieb Ambroise Paré erstmals in zwei Schriften (1561 und 1575) ausführlich Prothesen und orthopädische Apparate. Besonders bekannt sind Parés Darstellungen von künstlichen Händen, Armen und Beinen, die er von einem befreundeten Pariser Schlosser anfertigen ließ, und die sich wesentlich von den herkömmlichen hölzernen Notbehelfen unterschieden.
1607: erschien das Buch „De Combustionibus“ (Autor: Fabicius Hildanus), welches sich erstmals ausschließlich mit der Therapie von Verbrennungen beschäftigte.
1615: Das Herz ist eine Pumpe, die den Kreislauf antreibt, dieser so simpel erscheinende Mechanismus wurde in diesem Jahr von William Harvey entdeckt, er war Anatom und Leibarzt des englischen Königs. Seine Erkenntnis hat wie kaum eine andere das Verständnis des menschlichen Körpers revolutioniert. Er erwarb sie durch Sektionen und sorgfältige Beobachtungen der Herz- und Blutbewegungen einer großen Zahl lebender Versuchstiere. Harvey veröffentlichte seine Ergebnisse 1628 unter dem Titel Exercitatio Anatomica de Motu Cordis et Sanguinis in Animalibus (Anatomische Schriften über die Bewegung des Herzens und des Blutes bei Tieren).
1677: der holländische "Tuchhändler" Antonie van Leeuwenhoek mit seiner großen Leidenschaft - der Optik, entdeckt die männlichen Samenzellen. Er schleift immer bessere und schärfere Linsen und baut handliche Mikroskope. Ihre Linsen mit 270facher Vergrößerung erlauben Leeuwenhoek den Blick in eine neue Welt, den Mikrokosmos. Im Wasser aus einem Tümpel entdeckt er die Pantoffeltierchen, im Blut die roten Blutkörperchen. Dann widmet er sich der lustvollen Gewinnung einer besonderen Körperflüssigkeit, um auch sie unter seinem Mikroskop zu erforschen. Leeuwenhoek ahnt nicht, welch folgenreiche Entdeckung er macht: „Ich sah ‘Tierchen’, eine große Anzahl lebender Kreaturen […] Sie sehen aus wie eine Erdnuss mit langem Schwanz. Und sie bewegen sich damit vorwärts wie Aale im Wasser - das Spermium war entdeckt.
1726: Der englische Naturforscher und Geistliche Stephen Hales (1677-1761) misst an einer lebenden Stute zum ersten Mal exakt den Blutdruck eines Tieres.
1751: Leopold von Auenbrugger fielen die Schallunterschiede auf, die entstehen, wenn man an verschiedenen Stellen der Brustwand auf deren Oberfläche klopft. Dieses Phänomen untersuchte er weiter und publizierte 1761 eine Arbeit mit dem Titel Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi (Neue Erfindung mittels Anschlagens an den menschlichen Brustkorb, als ein Zeichen, um verborgene Brust-Krankheiten zu entdecken). Er gilt somit als Erfinder der Perkussion.
1754: An der Universität Halle (Saale) promoviert die Arzttochter Dorothea Christiane Erxleben (1715-1762), geb. Leporin, als erste Frau zum Doktor der Medizin.
1796: unternahm der englische Landarzt Edward Jenner einen Versuch, indem er einen Jungen mit Kuhpocken- oder Vacciniaviren impfte, die er einer Kuhpockenpustel entnommen hatte. Der Junge erwies sich später als immun gegen gewöhnliche Pocken. Als sein Artikel von der Royal Society abgelehnt wurde, unternahm er weitere Versuche – auch mit seinem 11 Monate alten Sohn.
1798: veröffentlichte Edward Jenner seine Ergebnisse und musste erleben, dass man ihn lächerlich zu machen versuchte. Dennoch setzte sich die von ihm propagierte Methode wegen ihrer offenkundigen Vorteile bald durch. Jenner bezeichnete sein Verfahren als „vaccination“ (vom lat. vacca = „die Kuh“). Dieser Begriff steht im Englischen heute immer noch für die Schutzimpfung einer gesunden Person mit abgeschwächten Krankheitserregern.
1804: Der deutsche Apotheker Friedrich Wilhelm Sertürner (1783-1841) entdeckt das Morphium.
1811: Der aus Schottland stammende Anatom Charles Bell (1774-1842) entdeckt, wie das Nervensystem funktioniert.
1816: erfindet der französische Arzt René Théophile Hyacinthe Laennec das Sthetoskop. Die große Brust einer jungen Frau erschwerte ihm das Abhören von Lunge und Herz mit seinem Ohr. Er nahm sich ein Blatt Papier, rollte es zu einem Zylinder zusammen, das eine Ende legte an die Brust der Frau und das andere Ende zu seinem Ohr. Er konnte nun das Geräusch von Herz und Lunge gut hören. Die Auskultation ist erfunden!
1826: die Eizelle wird durch Carl Ernst von Baer entdeckt. Er widerlegt damit die gängigen Ansichten, dass die Frau bloß das „Gefäß“ für das werdende Leben ist, und dass das Sperma bereits den vollständigen Menschen enthält. Mit den neuen Erkenntnissen kamen auch neue Fragen auf: Ab wann ist der Mensch ein Mensch? Wenn Samen und Ei verschmelzen? Oder erst dann, wenn sich Glieder und Organe ausbilden? Eine Streit- und Gewissensfrage bis heute, die mit der genetischen Frühdiagnostik und der Stammzellenforschung neue Brisanz gewinnt.
1838: Der deutsche Arzt und Chirurg Jacob von Heine (1800-1879) beschreibt auf der Versammlung der deutschen Naturforscher und Ärzte in Freiburg die spinale Kinderlähmung.
1846: dem Zahnarzt William Thomas Green Morton gelingt in Boston (Massachusetts) eine erfolgreiche Ether-Inhalationsanästhesie (mit Etherkugel) an einem Patienten mit einem Geschwür am Hals. Dieses wurde dem Patienten, zum Erstaunen der anwesenden ärztlichen Honoratioren der Stadt, schmerzfrei operiert (expandiert) durch einen der berühmtesten Chirurgen seiner Zeit, Professor John Collins Warren.
» Der französische Chirurg und Gynäkologe Joseph Claude Anthèlme Récamier (1774-1852) führt die Curette als chirurgisches Instrument zur Ausschabung der Gebärmutter ein.
1847: Durch den Tod des befreundeten Gerichtsmediziners Jakob K. Kolletschka (1803-1847), der an einer Sepsis starb, die er sich durch eine Wunde beim Sezieren zuzog, konnte der ungarisch-österreichische Arzt Ignaz Philipp Semmelweis zeigen, dass das Krankheitsbild der Sepsis bei diesem Kollegen identisch war mit dem Krankheitsbild des Kindbettfiebers der Mütter. Die gemeinsame Ursache waren, wie er schrieb, "die Leichenteilchen, die in das Blutgefäßsystem gelangten." Dies war nicht verwunderlich, denn Ärzte und Studenten kamen direkt vom Seziersaal zur Untersuchung und infizieren so ihre Patientinnen. Durch Einführung der Desinfektion durch Waschungen der Hände mit einer Lösung aus Chlorkalk als hygienische Maßnahme konnte Semmelweis in seiner Abteilung die hohe Sterblichkeit der Frauen um die Hälfte senken. Man ernannte ihn zwar zum Privatdozenten, doch wurde er in Kollegenkreisen diskreditiert.
1851: Der deutsche Physiker und Physiologe Hermann Helmholtz (1821-1894) erfindet den Augenspiegel, mit dem man erstmals die Netzhaut im Augenhintergrund untersuchen kann.
1855: Der Arzt Guillaume Benjamin Armand Duchenne de Boulogne (18061875) heilt Nervenkranke mit elektrischem Strom.
1860: Der französische Chemiker, Biologe, Mediziner und Bakteriologe Louis Pasteur entdeckt die optische Isometrie des Kohlenstoffatoms. Pasteur, der den Kampf gegen Krankheit und Tod zu seiner Lebensaufgabe machte, zeigte zum erstenmal, dass Mikroorganismen bei Fäulnis und Gärung mitwirken. Aus dieser Beobachtung ergab sich auch die Idee, Lebensmittel zu erhitzen, um die nicht hitzebeständigen Bakterien abzutöten und sie damit keimfrei zu machen. Dieses Verfahren nannte man später "Pasteurisieren".
In der Überzeugung, dass viele Krankheiten durch Bakterien hervorgerufen werden, entwickelte er die Immunisierung mit abgeschwächten Krankheitskeimen wieder und fand so die Schutzimpfungen gegen Hühnercholera, Milzbrand und vor allem gegen die Tollwut. Die Tollwutimpfung erprobte Pasteur zuerst beim Hund und hatte große Hemmungen die erste Tollwutimpfung beim Menschen auszuprobieren, was zeigt, dass Pasteur zu seiner Zeit sein Handeln ethisch reflektierte, was für damalige Verhältnisse nicht unbedingt selbstverständlich gewesen ist!
Dieser große Wissenschaftler schuf die Lehre der Mikrobiologie und so die Grundlage für Asepsis und Antisepsis in der Chirurgie.
1865: Der österreichische Augustinermönch und Botaniker Gregor Mendel entdeckt die Gesetzmäßigkeiten der Vererbung.
1867: Joseph Lister, Professor für Chirurgie an der Universität Glasgow, wo er als erster Wunden mit in Karbolsäure getränkten Verbänden (Lister´scher Verband) behandelte. Lister entdeckte die Milchgerinnung bewirkenden Streptokokken.
1868: Der Internist Adolf Kussmaul erfand die Gastroskopie. Er engagierte in einer Freiburger Weinstube einen Schwertschlucker, dem er statt eines Schwertes eine Röhre in den Magen schob. Damit war die Magenspiegelung erfunden, mit der man bis heute schmerzhafte Geschwüre aufspürt.
1869: notiert Reverdin die erste Verpflanzung zweier Epidermisstückchen.
1870: Pollock beschreibt später schriftlich die erste freie Hautverpflanzung bei einem Mädchen. Dennoch tappten die Ärzte bis Ende des 19. Jahrhunderts über die Ursachen des raschen Todes von Brandverletzten völlig im Dunkeln.
1871: Der amerikanische Zahnarzt James Beall Morrison (1829-1917) erfindet die Tretbohrmaschine mit bis zu 2000 Umdrehungen pro Minute.
1873: Der norwegische Arzt Armauer Hansen (1841-1912) entdeckt den Erreger der Lepra.
1881: Für die Entfernung von Magengeschwüren entwickelte der Wiener Chirurg Theodor Billroth eine geniale Operationsmethode. Fortan operierten Generationen von Chirurgen nach der Billroth-Methode. Er gilt als Begründer der Magen-Darm-Chirurgie sowie der operativen Gynäkologie.
1882: Der deutsche Bakteriologe Robert Koch (1843-1910) entdeckt den Tuberkelbazillus.
» beschrieb H. Baraduc den Gebrauch von Hauttransplantaten. Er war der Begründer der Spalthauttransplantation.
» Der amerikanische Chirurg William Stewart Halsted führt zum ersten Mal die radikale Mastektomie (beinhaltete die Entfernung der gesamten Brust samt Haut, Brustwarze und Vorhof sowie des großen und kleinen Brustmuskels und aller Lymphknoten der Achselhöhle in einem Stück) durch.
1886: Der deutsche katholische Pfarrer und Naturheilkundige Sebastian Kneipp (1821-1897) veröffentlicht sein Buch Meine Wasserkur, das bis 1894 bereits 50 Auflagen erreicht.
1887: Der Wiener Dermatologe Ferdinand von Hebra propagierte die offene Behandlung und das Dauerbad für Schwerbrandverletzte.
1888: Louis Pasteur gründete das Pasteur-Institut in Paris zur Erforschung der Grundlage für Asepsis und Antisepsis in der Chirurgie.
1890: William Stewart Halsted führt die Verwendung von Gummihandschuhen bei Operationen ein. Außerdem wandte er im Selbstversuch erprobte Kokain-Injektionen zur Lokalanästhesie an.
1895: Der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen entdeckt die Röntgenstahlen. Es zeigt sich, dass diese Strahlen auch Zellen zerstören und somit Krebszellen am Wuchern hindern können.
1896: "Wo gepumpt wird, entsteht auch Druck", sagte sich der Italiener Scipione Riva-Rocci. Er baute 1896 den ersten Blutdruckmesser aus einem Fahrradschlauch, einem Gummiballon und einem Barometer. Noch heute wird der Blutdruck in "RR" gemessen - "RR" für "Riva-Rocci-Einheiten" (mmHg)
1897: J.Murphy näht eine Beinarterie zusammen (Anastomose)
1899: Der deutsche Bundesrat beschließt am 20. April 1899, Frauen zum Medizinstudium und zu den Prüfungen zuzulassen.
1901: Der österreichische Pathologe und Bakteriologe Karl Landsteiner (1868-1943) entdeckt die Blutgruppen.
» wurde Fritz Schaudinn vom Reichsgesundheitsamt die Leitung der Malariaforschungsstation in Rovigno in Dalmatien übertragen. Dort konnte er erstmals am Lebendobjekt in einem Blutstropfen zeigen, wie der Malaria-Erreger in ein Blutkörperchen eindringt. Bis dahin wusste man zwar, dass die Mücken etwas mit der Malaria zu tun haben. Man wusste aber nicht, in welcher Weise. Schaudinn hatte in Dalmatien in einem Versuch auch erstmals ein von Malaria durchseuchtes Gebiet erfolgreich saniert.
» eine bis heute unheilbare Krankheit wird von Dr. Alois Alzheimer entdeckt . In die 'Städtische Heilanstalt für Irre und Epileptische in Frankfurt am Main' wird eine Frau eingeliefert. Sie ringt nach Worten, ist ängstlich, verwirrt und orientierungslos. Alzheimer dokumentiert die geistigen Veränderungen und den Verfall seiner Patientin. Als sie stirbt, entdeckt er beim Sezieren ihres Gehirns seltsame Ablagerungen, verfilzte Faserbündel und tote Nervenzellen. Er schreibt eine Abhandlung über 'Eine eigenartige Krankheit der Hirnrinde' und wird damit zum Namensgeber der Krankheit: Morbus Alzheimer.
1902: Die ersten Mischnarkosegeräte für Äther, Chloroform und Sauerstoff kommen zum Einsatz.
» Dem niederländischen Physiologe Willem Einthoven (1860-1927) glückt das erste Elektrokardiogramm (EKG).
» Der Wiener Arzt Guido Holzknecht war ein Pionier auf dem Gebiet der Radiologie und entwickelte ein Dosimeter für Röntgenstrahlen welches er als "Chromoradiometer" bezeichnete. Wie viele andere Ärzte in den frühen Tagen der Radiologie bezahlte auch er die Arbeit mit Röntgenstrahlen mit seinem eigenem Leben, er starb an den Folgen von Strahlenschäden.
1903: Das von dem deutschen Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) entwickelte Unterdruckverfahren erlaubt Lungen-Operationen.
1905: Der deutsche Zoologe Fritz Schaudinn (1871-1906) und der deutsche Dermatologe Erich Hoffmann (1868-1959) entdecken den Erreger der Syphilis.
» Paul Ehrlich wird zum 'Vater der Chemotherapie', die bis heute immer weiter verbessert wird.
1906: Karl Eduard Zirm (1863-1944) gelingt die erste erfolgreiche Hornhautübertragung.
1907: Der Frankfurter Serologe und Pharmakologe Paul Ehrlich (1854-1915) und der japanische Bakteriologe Sahatschiro Hata (1873-1938) entwickeln Salvarsan (Präparat 606) zur Behandlung von Syphilis.
1910: Die Internisten Georg Kelling (1886-1945) aus Dresden und Hans Christian Jacobeus (1879-1937) aus Stockholm führen die ersten Bauchspiegelungen (Laparoskopien) beim Menschen durch.
» Der New Yorker Internist Max Einhorn ernährt zum ersten Mal einen Patienten über eine Magensonde.
1913: Der deutsche Bakteriologe Emil von Behring (1854-1917) nimmt die erste Diphterie-Impfung vor.
» Der aus Polen stammende Biochemiker Casimir Funk (1884-1967) entdeckt die Vitamine.
1916: Der bereits erwähnte Ferdinand Sauerbruch entwickelt künstliche Gliedmaßen wie den so genannten Sauerbruch-Arm.
1919: hatte der Österreicher Ludwig Haberland die Idee, Frauen Schwangerschaftshormone zu geben, um sie kurzzeitig unfruchtbar zu machen.
1921: C. O. Nylén führt die erste Mittelohroperation unter den Operationsmikroskop durch.
» Frederik Grant Banting (1891-1941) und Charles Herbert Best (18991978) isolieren das Insulin. Die Diabetesforschung beginnt.
1922: G. Holmgren führt das Operationsmikroskop in die Fenestrationsoperation des Bogengangs bei Otosklerose ein.
1924: Der Internist Georg Haas (1886-1971) nimmt in Gießen mit einer künstlichen Niere die erste Blutwäsche (Hämodialyse) vor.
1925: S. Bunnell führt die erste End-zu-End - Naht eines verletzten Nervus facialis in seinem Knochenkanal erfolgreich durch.
1928: Der britische Bakteriologe Alexander Fleming (1881-1955) entdeckt die Wirkung von Penicillin. Als der Brite von einem Urlaub in sein Labor zurückkehrte, stellte er fest, dass ein Schimmelpilz seine Kulturen aus tödlichen Bakterien vernichtet hatte. Fleming erkannte, dass der "Schimmelsaft" ein hochwirksames Antibiotikum ist.
1929: Der deutsche Psychiater und Neurophysiologe Hans Berger (1873-1941) schreibt das erste Elektro-Enzephalogramm (EEG) bei Epilepsie.
» Der deutsche Chirurg und Urologe Werner Forßmann (1904-1979) führt als erster eine Herzkatheterisierung am Menschen im Selbstversuch durch. Werner Forßmann, schob einen dünnen Schlauch durch die Vene, um eine Herzkatheter-Untersuchung durchzuführen. Ein Versuch auf Leben und Tod - er glückt und markiert eine Sternstunde der Herzchirurgie. Denn der Herzkatheder macht es möglich, Herzprobleme zu diagnostizieren und zu heilen.
» Die Biochemiker Maurice H. Friedmann und Maxwell E. Lapham (1899-1983) entwickeln eine Labormethode, um Frühschwangerschaften zu diagnostizieren.
» Lorenz Böhler, der Schöpfer der modernen Unfallchirurgie, brachte sein Buch über die Technik der Knochenbruchbehandlung heraus.
1931: Der deutsche Chirurg Rudolph Nissen (1896-1981) entfernt zum ersten Mal operativ einen Lungenflügel.
» Der deutsche Physiker Ernst Ruska (1906-1988) entwickelt in Berlin das Elektronenmikroskop.
1932: Der deutsche Chirurg Rudolf Schindler (1888-1968) entwickelt einen Magenspiegel (Gastroskop).
1937: Die italienischen Ärzte Ugo Cerletti (1877-1963) und Lucio Bini (1908-1964) führen die Elektrokrampftherapie als neue Behandlungsmethode ein.
1939: G. E: Shambaugh benutzt das Operationsmikroskop in Amerika erstmalig für Mittelohroperationen.
» Der Berliner Kinderarzt Georg Bessau (geb. 1884) führt die vorbeugende Behandlung der Rachitis mit Vitamin D bei Säuglingen ein.
» entwickelten Padgett, Brown und Hood die ersten Dermatome zur Gewinnung von Spalthaut. Die sind bis heute im Gebrauch und können mit Pressluft oder elektrisch betrieben werden.
1940: Der österreichisch-amerikanische Hämatologe Karl Landsteiner (1868-1943) und sein amerikanischer Kollege Alexander Solomon Wiener (1907-1976) entdecken den Rhesus-Faktor.
» Der australische Arzt Norman McAlister Gregg (1892-1966) erkennt den Zusammenhang zwischen bestimmten Missbildungen und der Rötelnerkrankung Schwangerer.
» isoliert der amerikanischer Biochemiker Selman Abraham Waksman aus Bodenbakterien das Zytostatikum Actinomycin A.
1943: Der niederländische Arzt Willem Johan Kolff (geb. 1911) führt in Holland Versuche der Blutwäsche (Hämodialyse) durch.
» "isoliert" der amerikanischer Biochemiker Selman Abraham Waksman aus Bodenbakterien das Antibiotikum Streptomycin, das erste Antibiotikum (er verwendete auch als erster die Bezeichnung Antibiotikum) gegen Tuberkulose. (Tatsächlich soll die Substanz jedoch von einem seiner Studenten, Albert Schatz, isoliert worden sein.)
1944: Der amerikanische Herzchirurg Alfred Blalock (1899-1964) nimmt in Baltimore (Maryland) zum ersten Mal erfolgreich eine Operation bei einem Kind mit angeborenem Herzfehler vor.
1946: Der amerikanische Virologe John Franklin Enders (1897-1985) entwickelt zusammen mit einer Arbeitsgruppe eine Schutzimpfung gegen Mumps.
1947: entwickelte Wallace die bis heute gültige 9er Regel zur Bestimmung des Verbrennungsausmaßes.
1948: Dem amerikanischen Kinderarzt Sidney Farber gelingen erste Teilerfolge bei der Bekämpfung der Leukämie.
1950: Der amerikanische Chirurg Richard H. Lawler nimmt in Chicago die erste Nierentransplantation vor.
1951: Eröffnung des Unfallkrankenhauses Linz, dies war das erste Krankenhaus Festlandeuropas, das über eigene Brandverletztenbehandlungsplätze und einen OP für die Behandlung derselben mit eigener Klima- und Raumlufttechnik verfügte. Seit dieser Zeit leisten die Mitarbeiter des UKH Linz, und allen voran seit 1984 OA Dr. Herbert Haller (http://web.utanet.at/haller01), gemeinsam mit einem interdisziplinären Team wesentliche und sehr erfolgreiche Arbeit in der Versorgung von Brand- und Schwerbrandverletzten in ganz Österreich.
» Sir T. Cawthorne, J. A. Sullivan sowie L. B. W. Jongkees benutzen das Operationsmikroskop für die Chirurgie des Nervus facialis intratemporal.
» In Amerika gelang dem Chemiker Carl Djerassi die erste Synthese einer Verhütungspille.
Zwischen 1952 und 1960 trugen Baxter und Shires mit ihrer Infusionsformel nach Baxter et. al. für einen entscheidenden Fortschritt in der heutigen Verbrennungstherapie bei. Die Formel ermöglicht eine individuelle Anpassung an den aktuellen Flüssigkeitsbedarf des Patienten. (mehr zum Thema Brandverletztenbehandlung siehe www.brandverletztenbehandlung.at )
1953: Der amerikanische Herzchirurg John Heysham Gibbon (1903-1973) setzt die Herz-Lungen-Maschine bei der Operation am offenen Herzen ein.
» Die erste Nierentransplantation von einem lebenden Organspender wird in Paris unter Leitung des französischen Chirurgen Jean Hamburger durchgeführt. Der 16-jährige Marius Renard erhält eine Niere seiner Mutter, die jedoch abgestoßen wird. Marius stirbt am 27. Januar 1954.
» H. L. Wullstein und F. Zöllner geben ihre Ergebnisse bei rekonstruktiven Mittelohroperationen bekannte ("Tympanoplastik" und "Schallleitungsplastik").
1954: Dem amerikanischen Bakteriologen Jonas Salk und seinem Landsmann, dem Kinderarzt und Virologen Albert Bruce Sabin, glückt die Herstellung von Impfstoffen gegen spinale Kinderlähmung (Poliomyelitis).
» R. Albrecht sowie O. Kleinsasser entwickeln die Mikrolaryngoskopie.
1955: J.J.Conley begründet die extratemporale Fazialischirurgie.
1956: F. Loew und A. Miehlke führen die Dottsche Operation (kombinierte intracranielle - extratemporale Nervenverpflanzung am Nervus facialis) unter dem Mikroskop erfolgreich durch.
» entwickelte Meek ein spezielles Gerät zum Zerschneiden der Spalthauttransplantate - ein Verfahren, welches bis heute verwendet wird.
» L. I. Malis begründet das zweipolige Verschweißen von kleinen Gefäßen ("Malis - Pinzette").
1958: stellten Tanner und Vandeput eine Maschine her, mit der die Spalthauttransplantate gegittert werden. Sie werden als Mesh Graft bezeichnet.
» Der schwedische Herzchirurg Åke Senning implantiert in Stockholm den ersten Herzschrittmacher.
» H. Heermann entwickelt die Rhinochirurgie unter dem Operationsmikroskop.
» legte der Gynäkologe Ian Donald die Grundlage für die pränatale Diagnostik mit der erstmaligen sonographischen Darstellung eines Embryos.
1959: W. Walz führt die erste mikrochirurgische Rekonstruktion eines Eileiters bei der Frau durch.
1960: J. H. Jacobson entwickelt spezielle mikrochirurgische Instrumente für Operationen an kleinsten Blutgefäßen und erarbeitet die Grundlagen der Mikrochirurgie an den Gefäßen bis in kleinste Lumina von 0,8 mm.
» A. Miehlke bringt sein Standardbuch über die rekonstruktive Chirurgie des Gesichtsnerven zwecks Wiederherstellung der verlorenen Mimik heraus.
» J. H. Jacobson und R. M. P. Donaghy führen unter dem Mikroskop erfolgreich die erste Entfernung eines Embolus aus der Arteria cerebri media durch.
» setzen der Herzchirurg Albert Starr und der Ingenieur Lowell Edwards erstmals einem Patienten eine künstliche Herzklappe aus Silikon ein.
1961: W. F. House und W. E. Hitselberger sowie T. Kurze entwickeln den Zugang zum inneren Gehörgang über die Felsenbeinpyramide zur Entfernung von Akustikustumoren sowie für die Chirurgie des N. facialis unter dem Operationsmikroskop.
1962: Der deutsche Kinderarzt Widukind Lenz erkennt Thalidomid (Contergan) als Ursache schwerer Missbildungen bei Neugeborenen.
» G. J. Jako sowie O. Kleinsasser entwickeln Spezialinstrumente für die mikroskopische Chirurgie im Kehlkopf
» R. Malt replantiert einen amputierten Oberarm.
1963: H. J. Bruncke und W. P. Schulz replantieren im Tierversuch ein abgetrenntes Ohr sowie einen abgetrennten Daumen und Zeigefinger erfolgreich.
» S. Kamatsu und S. Tamai replantieren eine amputierten Daumen.
1964: J. Cobbett transplantiert beim Menschen erfolgreich eine große Zehe als Daumenersatz.
» C. Zhong-Wei replantiert in China mikrochirurgisch die amputierte Mittelhand beim Menschen.
» 1964 - 1967: A. Miehlke und Mitarbeiter entwickeln experimentell mikrochirurgische Operationstechniken am Nervus recurrens zur Wiedergewinnung der Stimmlippen - Motilität.
1966: wird in Deutschland das erste Zentrum für Schwerbrandverletzte eröffnet. Der Nestor der Verbrennungschirurgie, Prof. Dr. Dr. F. E. Müller, baut die BG-Unfallklinik Bergmannsheil Bochum auf.
» J. L. Pool und R. P. Colton führen unter dem Operationsmikroskop die Ausschaltung eines Hirngefäßaneurysmas erfolgreich durch.
» G. Mackensen entwickelt spezielle Instrumente für die Trabekulotomie beim grünen Star.
» J. W. Smith sowie H. Millesi nähen größere durchgetrennte periphere Nerven wieder zusammen. Die experimentellen Arbeiten von H. Millesi, A. Berger und G. Meissl ergeben das Fundament für die moderne Chirurgie peripherer Nerven.
1967: M. G. Yasargil führt eine Bypass - Operation zwischen extra - und intracraniellen Blutgefäßen in die Medizin ein.
» Der südafrikanische Chirurg Christiaan Barnard nimmt am 3. Dezember im Groote-Shuure-Hospital in Kapstadt (Südafrika) die erste Herztransplantation vor. Das Herz der bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Denise Darvall wird dem 54-jährigen Lebensmittelhändler Louis Washkansky eingesetzt. Der Eingriff gelingt, doch der Patient stirbt 18 Tage später an einer Infektion.
» 1967 - 1975: Der Gynäkologe K. Swolin entwickelt die Prinzipien der rekonstruktiven Tubenchirurgie beim Menschen unter dem Operationsmikroskop.
1968: wird die Spezialabteilung für Schwerbrandverletzte in Ludwigshafen-Oggersheim eingerichtet.
» Dem amerikanischen Hämatologen Edward Donnall Thomas glückt die erste Knochenmarkstransplantation. Dafür erhält er 1990 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.
» 1968 - 1972: O. Kasner, R. Machemer sowie R. Klöti vollbringen die ersten mikrochirurgischen Operationen am Glaskörper des Auges.
1969: führte Fox das Silbersulfadiazin (Flammazine®) ein, welches neben Povidonjod (Betaisadonna®) bis heute zu den am häufigsten eingesetzten Substanzen für die Oberflächentherapie gehört.
1973: R. K. Daniel und G. I. Taylor beheben mit der Übertragung eines Hautlappens aus der Leistengegend mit mikrochirurgischer Gefäß- und Nervennaht einen ausgedehnten Hautdefekt; sie leiten die Ära der mikrovaskulären freien Gewebetransplantation ein.
» W. F. House entwickelt die Chochlear - Implantation zur Beseitigung gewisser Taubheitsformen. K. Burian gelingt gleiches in Europa.
1974: V. Meyer replantiert als Erster in Europa eine Mittelhand. Er organisiert in Zürich das erste Replantationszentrum.
1975 gelingt Rheinwald und Green die erste erfolgreiche Kultivierung und Transplantation von Kulturhaut. Mit dieser Methode war es möglich, auch großflächig verbrannte Patienten mit 70 bis 80 Prozent verletzter Körperoberfläche zu transplantieren und mit Eigenhaut zu verschließen.
» G. I. Taylor replantiert ein amputiertes Wadenbein beim Menschen.
» E. Biemer baut am Universitätsklinikum Rechts der Isar, München, ein Replantationszentrum auf.
1976: Der britische Elektroingenieur Godfrey Newbold Hounsfield entwickelt die erste Computertomographie.
1977: S. J. Silber führt die mikrochirurgischen Techniken für Refertilisationsoperationen für die Beseitigung der Sterilität beim Mann nach Verschluss der Samenwege ein.
» B. E. Cohen und S. Tamai replantieren einen amputierten Penis.
1978: In Oldham (England) wird das erste durch Befruchtung außerhalb des Körpers entstandene Retorten-Baby geboren.
» Yang entwickelt in China mit seiner Arbeitsgruppe den zuverlässigen mikrovaskularisierten "radialen Unterlappen". Von W. Mühlbauer bei uns bekannt gemacht, eignet er sich besonders in der rekonstruktiven Kopf - Hals - Chirurgie.
1979: U. Fisch begründet die Mikrochirurgie der seitlichen Schädelbasis zur Tumorresektion in dieser Region, innerer Gehörgang bis Kleinhirnbrückenwinkel.
1981: Die Immunschwäche AIDS wird in Kalifornien als neue Seuche erkannt.
1983: Die Kernspintomographie wird klinisch eingeführt.
» Barry Marshall und John Robin Warren aus Perth/Australien entdeckten den Magenkeim Helicobacter pylori. Ihre Entdeckung wurde von der medizinischen Forschung lange Zeit nicht ernst genommen. Erst 1989 kam es zum Durchbruch und das Bakterium wurde weltweit als Ursache des Ulcus angenommen. 2005 wurden Warren und Marshall für ihre Arbeiten zu H. pylori je zur Hälfte mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.
1990: gelingt die Züchtung und Einpflanzung von dem Dermisersatz Integra (biologischer Hautersatz).
2005: transplantiert ein Ärzteteam aus Amiens und Lyon einer jungen Frau Teile des Gesichts einer hirntoten Frau.
2006: Craig Mello von der Harvard - Universität in Boston und Andrew Fire vom MIT in Cambridge erhalten den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung der RNA-Interferenz
2007: Der Nobelpreis für Medizin geht an die US-Amerikaner Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie an den Briten Martin J. Evans. Sie erhalten die Auszeichnung für ihre Technik, in Versuchsmäusen gezielt Gene auszuschalten, um deren Funktion zu untersuchen.
2008: Der Nobelpreis für Medizin geht an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen für die Entdeckung, dass das human papilloma Virus (HPV) Gebärmutterhalskrebs verursacht sowie an die französischen Aids-Forscher Francoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung von HIV.
2009: Der Nobelpreis für Medizin geht an die Professorinnen Elizabeth H. Blackburn (University of California, San Francisco), Carol W. Greider (Johns Hopkins School of Medicine, Baltimore) und Professor Jack W. Szostak (Massachusetts General Hospital, Boston). Sie fanden heraus, dass Chromosomen-Enden, die Telomere, mit jeder Zellteilung verkürzt werden. Außerdem entdeckten sie, dass das Enzym Telomerase diese Verkürzung verhindert, indem es die Chromosomen wieder verlängert, etwa in Krebszellen.
Der Medizin-Nobelpreis ist mit knapp einer Million Euro dotiert und wird am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, in Stockholm verliehen.
2010: Der Nobelpreis für Medizin geht an Robert Edwards, Erfinder der künstlichen Befruchtung.
2011: Der Nobelpreis für Medizin geht an drei Wissenschaftler, die grundlegende Prinzipien der Immunabwehr entdeckt haben: der Amerikaner Bruce A. Beutler, den Luxenburger Jules A. Hoffmann und den Kanadier Ralph Steinmann. Dieser Nobelpreis wurde bekannt als der traurigste aller Zeiten, denn Ralph Steinmann starb kurz vorher an den Folgen eines Pankreaskarzinoms. Er erhielt den Nobelpreis posthum.
2012: Der Nobelpreis für Medizin geht an John Gurdon aus Großbritannien und Shinya Yamanaka aus Japan. Sie haben gezeigt, dass sich erwachsene Körperzellen in ihren embryonalen Zustand zurückverwandeln lassen. Aus diesem Zustand können sie sich wieder in alle Gewebetypen des Körpers entwickeln.
2013: Der Nobelpreis für Medizin geht an drei Zellforscher: die US - Amerikaner James E. Rothman, Randy W. Schekman und den gebürtigen Deutschen Thomas C. Südhof für die Forschung zu intrazellulärem Transport.
2014: Der Nobelpreis für Medizin und Physiologie 2014 teilt sich der Neurowissenschaftler John O'Keefe mit dem Forscherpaar May-Britt Moser und Edvard Moser. Sie erhalten in diesem Jahr die Auszeichnung für Medizin und Physiologie für ihre Forschung zu den Ortszellen und Rasterzellen: den essenziellen Komponenten eines universellen und – wenn man es einmal verstanden hat – verblüffend einleuchtenden Orientierungs- und Navigationssystems im Hirn von Tieren und Menschen.
2015: Der Nobelpreis für Medizin 2015 geht an William C. Campbell und Satoshi Ōmura, sie teilen sich die Ehrung mit der Forscherin Youyou Tu. Alle drei haben Therapien gegen Malaria oder Flussblindheit möglich gemacht
2016: Der Nobelpreis für Medizin 2016 geht an den Zellbiologen Yoshinori Ohsumi für die Entdeckung des sogenannten Autophagie - Mechanismus (Selbstverdauung), der u.a. bei der Zersetzung von Zellbestandteilen eine Rolle spielt.
2017: Der Nobelpreis für Medizin 2017 geht an Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Sie werden für die Erforschung der inneren Uhr geehrt.
2018: Der Nobelpreis für Medizin 2018 geht an die Krebsforscher James P. Allison und Tasuku Honjo. Der US-Amerikaner und der Japaner werden für ihre Beiträge zu Krebstherapien durch Hemmung von negativen Immunreaktionen geehrt.
2019: Der Nobelpreis für Medizin 2019 geht an die Zellforscher William G. Kaelin Jr., Gregg L. Semenza und Peter J. Ratcliffe für ihre Entdeckungen zu Zellreaktionen auf Sauerstoff.
2020: Der Nobelpreis für Medizin 2020 geht an die US-Amerikaner Harvey J. Alter und Charles M. Rice sowie den Briten Michael Houghton. Die 3 Virologen werden für ihre Entdeckung und Bekämpfung des Hepatitis C Virus ausgezeichnet.
Sollten Sie über faszinierende Entdeckungen oder Erfindungen in der Medizingeschichte bescheid wissen, die hier noch nicht aufscheinen, so würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir diese mitteilen; ich werde sie sobald als möglich online stellen! Vielen Dank für Ihren wertvollen Beitrag zu der kleinen Sammlung von Meilensteinen der Medizingeschichte!
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